Die erste Konferenz des DVÜD (Verband der freien Übersetzer und Dolmetscher), die vom 1. bis 4. Oktober in der Hamburger Hafencity stattfindet, ist noch bis Sonntag um Mitternacht um 21 % rabattiert:
http://konf.dvud.de/2015/09/letzte-rabattaktion-fuer-die-dkonf2015-nur-von-freitag-bis-sonntag/
Hamburger Übersetzerkonferenz nur noch heute mit Rabatt
Erneuerbare Energien werden Kernthema
Kundenportfolio im Bereich Erneuerbare Energien wächst
Das Projekt:
Nach einem viertägigen Marathon (Arbeitsbeginn 8 Uhr, Ende ca. 23 Uhr) habe ich gestern, Sonntag, 30. August 2015, 23:59 Uhr (!) die deutsche Übersetzung einer Studie zum Thema „The Future of Energy Supply in Africa“ mit 17.183 Wörtern eine Stunde vor dem offiziellen Abgabetermin abgeliefert.
Der Kunde: Das Institute for Advanced Sustainability Studies (Potsdam)
Das IASS ist für uns nach SIEM Offshore Contractors – einem Unternehmen, das Spezialschiffe für die Anbindung von Offshore-Plattformen vorhält – der zweite bedeutende Neukunde in diesem Jahr, bei dem die regenerativen Energien im Zentrum stehen und ergänzt unseren Kundenkreis aus dem Sektor der Erneuerbaren Energien, zu dem zahlreiche Windenergie- und Solarunternehmen aus dem nordwestdeutschen Raum gehören. Weitere wichtige Kunden im Windenergie- und Offshore-Bereich sind DEWI, das Deutsche Windenergieinstitut, Energy&Meteo Systems und Norddeutschen Seekabelwerke.
Website Institute for Advanced Sustainability Studies
Website SIEM Offshore Contractors
Harte Nüsse für Übersetzer
User experience
„Die IT kann die Bereitstellung von Windows-Desktops und -Anwendungen vereinfachen und die Desktop-TCO dank der zuverlässigen Wirtschaftlichkeit der Cloud senken. Und Anwender freuen sich über eine großartige Anwendererfahrung – unabhängig vom verwendeten Gerät oder Browser.“
Klingt irgendwie übersetzt, gell? Jemand hat great, user und experience im Wörterbuch nachgeschlagen und dafür großartig, Anwender und Erfahrung gefunden. So einfach ist die Sache aber nicht. Erfahrung ist etwas, was man besitzt, weil man dies und jenes erfahren und erlebt hat. Bei user experience geht es aber darum, wie es dem Benutzer mit einem Produkt geht. Ist die „experience“ „great“, geht es uns mit dem Produkt gut und wir fühlen uns wohl damit. In den meisten Fällen besteht die Lösung darin, konkret zu werden, also etwas dazu zu sagen, welcher Aspekt des Erlebnisses mit dem Produkt positiv ist.
In unserem Beispiel oben geht es darum, dass ein Unternehmen seinen Mitarbeitern Software über die Cloud bereitstellen will. Diese können nach Belieben unterschiedliche Geräte und Browser verwenden. Da nichts dazu verraten wird, was die experience so great macht, ist es vielleicht dieser Aspekt.
Eine Lösung wäre hier also:
Dank der Cloud haben Ihre Mitarbeiter es leichter, weil sie problemlos mit beliebigen Geräten und Browsern auf ihre Anwendungen zugreifen können.
Jetzt hat der Leser eine konkrete Information statt inhaltsleerem Wortgeklingel.
Anglizismus der Woche
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Produktbeschreibungen heute häufig aus einer Ansammlung von Befehlen bestehen, die uns dazu auffordern, etwas zu tun? Dabei will man uns eigentlich erklären, was das Produkt Tolles für UNS tun kann? Besonders lustig finde ich es, wenn man mir befiehlt, etwas zu erhalten, etwa „Erhalten Sie nützliche Tipps!“ Nö, jemand kann mir gerne Tipps geben, aber mich nicht zwingen, sie zu erhalten…
So, und wo steckt hier unser Anglizismus?
In der vielseitigen Verwendbarkeit englischer Verbformen, if you ask me. Meine Theorie ist, dass wie so oft durch zu wörtliche Übersetzungen englische Strukturen ins Deutsche gewandert sind, die bei uns eigentlich nicht funktionieren. Um das Beispiel von oben aufzunehmen: „Get useful hints!“ ist auf Englisch kein Problem, denn man kann sich das You quasi davor denken und hat dann einen Aussagesatz. So ein Wort wie „get“ ist ungeheuer multifunktional, was man von „erhalten“ eben nicht sagen kann. Im Deutschen lege ich mich viel mehr fest – habe aber auch mehr Präzision.
Ich schreibe also „Sie erhalten nützliche Tipps“, denn ich will dem Leser nicht befehlen, was er zu bekommen hat.
Anglizismus der Woche
Häufig stoße ich in deutschen Zeitungsartikeln mit englischsprachigen Quellen auf eine im Grunde unidiomatische Verwendungsweise des Worts „einige“, etwa, wenn es heißt „In XXX gibt es einige der besten Restaurants Deutschlands“. Im Englischen ist die Formulierung „some of the best“ sehr üblich, im Deutschen eher nicht. Es ist vielleicht nur eine Nuance, aber hier scheint mir eine eigentlich gebräuchlichere Formulierung abhanden zu kommen, die da lautet „In XXX gibt es mit die besten Restaurants Deutschlands“.
Fröhliche Weihnachten in über 70 Sprachen….
http://secure.bdue.de/weihnachtsdatenbank.php
Gedanken eines Ausrufezeichens
Freitag, später Nachmittag, es nieselt leicht, der Himmel ist trüb. Das Ausrufezeichen sitzt alleine auf einer Parkbank. Es hat das Gesicht in beide Hände vergraben und starrt traurig auf den gegenüberliegenden Teich: Enten, die stoisch, fast mechanisch ihre Bahnen ziehen, Frösche, die wahllos umherquaken. „Was ist nur los mit den Leuten?“, fragt sich das hochgewachsene Symbol für Nachdruck. Sie schubsen mich von Satz zu Satz, zerren mich von Cover zu Cover, unentwegt. Ohne darüber nachzudenken, wie es mir dabei geht. Früher wurde ich bei der Mondlandung engagiert, oder bei gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaften, heute reicht es, wenn der Bachelor eine Kandidatin vernascht oder David Hasselhoff einen Burger.“
Verzweifelt schüttelt das punktbestückte Wesen den Kopf. Seine Augen werden glasig: „Das Semikolon hat mal wieder Urlaub, es lümmelt auf Jamaica in einer Hängematte und raucht genüsslich seine Chesterfields. Das Dollarzeichen ist bereits ausgestiegen, fährt Tag für Tag im pinken Cadillac durch die Hamptons und pfeift den hübschen Klammeräffchen hinterher. Und ich? Muss andauernd auf Facebook die Beziehungsdramen pubertierender Mädels regeln. Meistens klingeln diese Gören mich und meine Brüder mitten in der Nacht aus dem Bett, um uns mit fremden Einsen und Fragezeichen zu paaren*. Dabei kann ich diese Zahlen überhaupt nicht leiden. Die waren in Mathe immer so gut.“
„Wann hört dieses geschriebene Hupkonzert endlich auf? Wann verstehen die da draußen, dass nicht der Lauteste Recht hat, sondern der mit den besten Argumenten? Oft habe ich das Gefühl, die Qualität eines Satzes sinkt proportional mit der Buchung meiner Kollegen.“ Das Sonderzeichen erhebt sich und läuft einige Meter, bevor es trotzig einen Stein gegen einen stählernen Mülleimer kickt. Sein Weg führt erst durch den Parkausgang, dann zur „Buchstabensuppe“, einer kürzlich am Stadtrand eingeweihten Beratungsstelle für ausgebrannte Satzzeichen.
Dem einst stolzen Symbol geht es gar nicht gut. Es fordert Ruhe und Gelassenheit. Zu Recht, denn in seinem Arbeitsvertrag steht geschrieben, dass es ausschließlich nach Ausrufe-, Wunsch- und Aufforderungssätzen sowie nach Ausrufewörtern und nach bedingten indirekten Fragen verwendet werden darf. Trotzdem wird es immer wieder ausgebeutet – in Internet, Boulevardpresse und Werbung. Tendenz: stark ansteigend. Möchten wir wirklich zulassen, dass Sensations-Redakteure, Facebook-Bitches und Twitter-Egomanen wildes Geschrei über Monitor oder Papier kultivieren? Nein! Die Zeit ist reif, aufzustehen und für Rahmenbedingungen zu kämpfen, mit denen sich das Ausrufezeichen wieder identifizieren kann – weil es mit Überzeugung und Leidenschaft der Interpunktion nachgehen darf. Ohne sich falsche Vorwürfe machen zu müssen. Gemeinsam für das Zeichen, gemeinsam für uns. Das ist der Weg. Punkt.
*„Der is mir fremdgegangen, fuck, was geht!!1!!1!??!“
von André Gärisch
Dativ mordet weiter – auch in der Oldenburger Nordwest-Zeitung vom 13.10.2013
Die Überschrift lautete: „Berlin gedenkt Totem vom Alex“
Nein, hier geht es nicht um indianische Symbole auf Marterpfählen, der Autor meint jemanden, der nicht mehr lebt. Eine kurze Google-Suche nach „gedenkt totem“ liefert 1410 Treffer und lehrt, dass selbst Spiegel online der Toten schon im Dativ gedacht hat: „Niederlande gedenkt totem Linienrichter“ schrieb man dort im Dezember 2012. Bastian Sicks Anstrengungen zum Trotz gibt es also wieder einen gemeuchelten Genitiv mehr.
Für alle, die jetzt rätseln, wie es denn richtig heißt, hier die Lösung: „Berlin gedenkt des Toten vom Alex“. Als Beleg ein historisches Zeugnis vom Bremer Marktplatz – dort gibt es eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Gedenke der Brüder, die das Schicksal unserer Trennung tragen“. (http://de.wikipedia.org/wiki/Bremer_Marktplatz)
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-wir-gedenken-dem-genitiv-a-344543.html
Nachtrag: Inzwischen hat die NWZ die Überschrift online korrigiert.
Brüssel spricht Frenglisch
In der Sendung „Europa heute“ berichtete die Brüssel-Korrespondentin an diesem Montag, dass das in offiziellen EU-Dokumenten verwendete Englisch von starken Einflüssen z. B. aus dem Französischen geprägt sei. Beispiel: ”An agent has precised the modalities of actual English usage that can be used with reasonability by European actors and those engaged in planification.” Dieser kurze Satz enthält gleich drei falsche Wortbildungen, die allesamt Gallizisismen sind – „precise“ gibt es im Englischen nicht als Verb (im Fanzösischen ist „préciser“ soviel wie „angeben“, „nennen“, also auch nicht identisch mit dem deutschen „präzisieren“); „reasonability“ gibt es gar nicht (hier steckt vermutlich „raisonnablement“, also „vernünftigerweise“ dahinter) und „planification“ ist ebenfalls ein Direktimport aus dem Französischen. Der DLF moniert auch „agent“, was man in England im Sinne von Geheimdienstler verstünde – dem würde ich nicht folgen, denn auch Telefonisten in Call-Centern werden schon seit längerem als „agents“ bezeichnet.
Kein Wunder, dass viele Übersetzungen aus EU-Quellen, die sich in Quellen wie LINGUEE finden, seltsam hölzern und unauthentisch wirken. Eigentlich erstaunlich angesichts der Heerscharen hochqualifizierter Übersetzer, die die EU in Luxemburg beschäftigt. Vermutlich wirkt sich hier dann doch die frankophone Umgebung auf die Sprachkompetenz englischer Muttersprachler aus.
Der Originalbeitrag kann hier nachgelesen oder gehört werden:
http://europa.deutschlandfunk.de/2013/09/09/crazy-kauderwelsch/
Unwiderstehliche Anfragen, die zweite … Ende gut, alles gut!
Hallo Herr von Steuber,
vielen herzlichen Dank für die zuverlässige Lieferung und Ihr Engagement mit der Excel-Liste.
Das habe ich so auch noch nicht erlebt – spricht für Sie.. wirklich toll!
Ich habe bereits alles entsprechend an XXXX weitergeleitet.
Sollte ich hier noch einmal Feedback bekommen, melde ich mich bei Ihnen.
Herzlichen Dank für die pünktliche Lieferung.
Katrin Hampf
…………………………………………
miramarketing GmbH


